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Nachgefragt: Sebastian Schirmer gibt Einblicke in Quiply
02
Okt 2020

Nachgefragt: Sebastian Schirmer gibt Einblicke in Quiply

Wir begrüßen Sebastian Schirmer von Quiply zu unserer Interview­reihe Nachgefragt. Bevor wir exklusive Einblicke in Quiply erhalten, sei doch bitte so nett und stell Dich unseren Lesern vor.

Sebastian: Ich bin einer der Gründer und Geschäftsführer der Quiply Technologies. Ich habe in Karlsruhe Wirtschaftsingenieurwesen studiert. Dort habe ich meinen Co-Gründer Mathias Würthle kennengelernt. Nach Jahren als leitender Angestellter hat er mich 2015 mit seiner Idee zur Gründung von Quiply infiziert. Damals hatten wir mit der Technologie noch Konsumenten (B2C) im Visier. Recht bald fiel der Groschen, dass unser Produkt im B2B Markt eine deutlich größere Lücke füllen würde. Jetzt profitieren größtenteils mittelständische Kunden verschiedenster Branchen von 50 bis 5.000 Mitarbeitern von unserer Lösung.

Einen Tag über Deine Schulter geblickt, was würden wir erleben?

Sebastian: Meistens startet mein Tag in Zürich, von wo aus ich die Schweizer Kunden mit ­bet­reue und auch privat lebe. Wann und wie ich E-Mail lese, ist ver­mutlich nicht so inte­ressant für die Leser. Wenn etwas besonders ist an mei­nem Arbeits­tag, dann ist es wohl mein Hund, der nahe­zu immer mit dabei ist. Der ge­mein­same Aus­lauf hilft mir, Ge­danken zu sor­tieren und zu ent­spannen. Andere medi­tieren oder joggen, ich bin halt auf den Hund ge­kommen.

Mit Quiply seid Ihr relativ neu auf dem Markt – Was macht euch anders als die alt­ein­gesess­enen An­bieter? Welchen Pain Point löst Ihr bei Euren Kunden besonders gut?

Sebastian: Erstmal denken wir vom Smart­phone her und das soziale Element liegt im Kern unseres Pro­duktes. Die meisten Inno­vationen in der Kommu­nikation kommen ohne Frage zuerst aus den B2C Apps. Wir müssen dann schauen, wie wir das im betrieblichen Umfeld mehr­wertstiftend einsetzen. Nicht alles, was viral oder sozial das En­gage­ment för­dert, er­zeugt die Unter­nehmens­kultur beim Kunden, die man haben will.

Mitarbeiter­-­Apps müssen zu­dem eine große, hetero­gene Gruppe von Nutzern über­zeugen. Die App muss einfach zu bedienen sein. Die User wollen schnell Content erzeugen & teilen, so wie sie das von ihren privaten Apps her kennen. Und da wur­zelt auch die Kultur­verän­derung in der Unternehmens­kommunikation, die aus dieser technologischen Evolution herrührt: Alles wird dezentraler, die Strukturen weniger Top-Down, mehr Bottom-Up. Bei Quiply kann man je nach Unternehmenskultur und Organisationsgrad die Rechte­struktur sehr fein justieren, jeder Ko­mmunikations­stil lässt sich in unserer App so abbilden.

Welche speziellen Bedürfnisse haben gerade mobile Mitarbeiter, die über keinen festen Arbeitsplatz verfügen und wie erfüllt Ihr diese mit Quiply?

Sebastian: Unsere App ersetzt bei den mobilen Mitarbeitern keine Software, denn es gab vor­her schlicht nichts, höch­stens E-Mail oder Whats­App, sehr oft aber nur einen ana­logen Schau­kasten. Das Intra­net war weder mobil noch sozial, die mobilen Mit­arbeiter außen vor. Wir helfen, dass die Mit­arbeiter so gut info­rmiert sind wie noch nie und selbst aktiv bei­tragen können. Da­für liefern wir in der Quiply Em­ployee App einen starken Hy­brid zwischen Messenger und so­zialem Intra­net. Dieser kann um produ­ktive Tools wie Formu­lare, Kampa­gnen oder Um­fragen er­weitert werden. Unser Client ist sehr leistungs­fähig. So kann ein Nutzer nicht nur chatten, son­dern auch Bei­träge in den Channels direkt mobil er­zeugen.

Gibt es Unterschiede, wenn man den Markt in Deutschland mit dem in der Schweiz vergleicht?

Sebastian: Aus meinen Erfahrungen kann ich sagen, dass die Schweizer insgesamt Digi­tali­sierung auch in klein­eren Orga­nisa­tionen schon länger sehr ernst­haft be­trei­ben und in bes­timm­ten Sek­toren (bspw. im kommunalen Bereich) ge­fühlt er­heb­lich vo­raus sind. Die Schweizer haben einen hohen Qualitäts­an­spruch, planen und ent­schei­den sorg­fäl­tig. Ent­sprech­end er­leben sie seltener Über­raschung­en. Man ist aber auch sehr fair uns als dem An­bieter gegen­über. Wenn die Qualität in der Schweiz je­doch nicht passt, spricht sich das schnell rum. In Deutsch­land ist die Band­breite noch­mal grö­ßer, die Zus­ammen­arbeit schon kultu­rell be­dingt anders je nach Branche und Re­gion. Aber wir mö­gen all unsere Kunden, egal wo­her sie kommen! 😊

Welche Integrationen bietet Ihr an und wo ist die Nachfrage am größten?

Sebastian: Das ist eigentlich meistens andersrum: Wir fahren gut damit, dass unsere App autark und autonom selbst läuft und im Funktionsumfang stetig wächst. Integration oder offene API mit anderen Apps wird immer nur als Pluspunkt verkauft, dabei hat es an bestimmten Stellen einige Nachteile. Aus unserer Sicht wichtige Features fügen wir deswegen lieber selbst dem Lieferumfang hinzu statt zu inte­grieren. Die Schnitt­stellenpflege fällt so weg, die Daten­sicher­heit ist maxi­mal hoch und wir kö­nnen die App besser vorm nä­chs­ten Re­lease testen. Natürlich verweigern wir uns dem The­ma nicht, ins­beson­dere wenn es um Nutzer­manage­ment oder Inhaltsimporte geht. Active Directory oder Share­Point News bieten wir an, eine SAP An­bindung haben wir eben­falls bereits im An­gebot und bei Kunden rea­lisiert.

Microsoft 365 hält in immer mehr Unternehmen Einzug. Wie ist Eure Strategie in Bezug auf Microsoft 365 und Quiply?

Sebastian: Microsoft ist sehr erfolgreich, richtig, aber eher nicht auf den Mobilgeräten, auf denen unsere App hauptsächlich läuft. Das ist für Mitarbeiter-Apps schon ein feiner, aber wirksamer Unterschied, denn wir müssen teils fast zu 90% auf privaten Endnutzergeräten akzeptiert werden und Microsoft weiß da nicht so richtig die Endnutzer zu überzeugen. Deren mobiles OS hat sich erstmal erledigt und iOS wie Android dominieren. Die Stärken liegen klassisch am Desktop und in der Cloud ist das gut gelöst, wo wir auch zu Hause sind. Uns ist die Präsenz von Microsoft im Office natürlich bewußt, es geht also um die sinn­volle Ver­bin­dung zweier Welten. Da­zu unter­stützen wir Pro­dukte wie Share­Point News oder Active Directory; ein Im­port von Ter­minen aus Out­look he­raus ist auch sinn­voll und bieten wir an, auch wenn wir schon ein eigenes Termin­modul stand­alone in der App haben.

Wenn Kunden allerdings fragen, ob Sie MS Teams oder eine Mitarbeiter-App einsetzen sollen, dann müssen wir recht klar sagen, dass der Use Case sicher nicht der Gleiche ist. Video- und Audioconferencing für Desk Worker sehen wir bei Teams als das Kernfeature, damit ersetzt Microsoft zwangsläufig Skype for Business selbst. Vielleicht nimmt es #Slack auch Marktanteile. Soziales Intranet und Messenger auf Mobilgeräten sind bei MS aber Schwächen. Das Screen Design passt nicht wirklich für einen zügigen Informationsüberblick, den mobile User wollen. Das ist auch nicht schlimm, beide Produkte leben gut zusammen in einer Unternehmensumgebung, einige sind nur bei Desk Workern wichtig, eine Mitarbeiter-App sollte aus unserer Sicht im Zugriff eines jeden Mitarbeiters im Unternehmen sein.

Welche zwei Funktionen von Quiply werden von den Nutzern am meisten genutzt? Was könnten die Gründe sein?

Sebastian: Der klassische Gruppenchat ist sicher von der reinen Aktivität her das Beliebteste, noch vor den News-Artikeln. Da waren wir im Funktions-umfang immer schon sehr gut und haben das ganze Spektrum von Video über Emojis, animierte Gifs, Sprach­nach­richten, Ab­stimm­ungen, usw. parat. Das kennen die Nu­tzer von pri­vaten Messengern, dass ist des­wegen Pflicht für uns. Kür ist, wenn wir zu­sätzlich pro­duktive Features ein­bauen wie echte Lese­bestätigungen, Um­fragen, Kampagnen oder For­mulare und so betriebliche IT­-Prozesse erst­mals effi­zient ab­bilden für die Non-­Desk-­Worker und das B-Y-O-D, bspw. für HR Self Ser­vices. Die Be­dienung wird uns aber trotz immer mehr Möglichkeiten von Kunden als intuitiv bescheinigt. Un­belassen da­von haben wir im August das Design unserer Menü­struk­tur komp­lett er­neuert, was sehr gut an­kommt.

Was sind für Dich die drei wichtigsten Bausteine erfolgreicher Intranets?

Sebastian: Unsere Webseiten, wir nennen sie Channel, müssen visuell attraktiv sein und einladen, damit die Nutzer lesen und sozial interagieren. Die Struktur und Personalisierung durch zielgruppengerechte Verteilung muss gut gelöst sein. Es braucht nicht unbedingt eine kuratierte Startseite, seit Facebook & Co sind die Nutzer gewohnt in Feeds zu lesen. Die automatische Personalisierung muss sich noch verbessern. Rein technisch denke ich, dass die Analyse im Dashboard auf Dauer eine große Revolution in der Kommunikation ist. Die mei­sten Kommuni­kations­exp­erten kannten Ihre Intranet­zu­griffe früher kaum, die Zugriffs­zahlen waren auch nicht re­präsen­tativ für die ge­samte Beleg­schaft. Hat jeder den Schau­kasten bea­chtet, die ge­druckte Zeit­ung ge­lesen? Er­reicht un­sere Kommuni­kation also wirk­lich die Richt­igen und wann? Das ändert sich durch Mitarbeiter-Apps. Nun muss jeder Autor, der News erzeugt, auf Basis dieser Daten optimieren, was, wann und wie er es schreibt, wenn gute Ergebnisse erzielt werden sollen.

Das Wichtigste bleibt und ist natürlich, so banal es auch klingt, dass der Content stimmt.

Welche Zukunftsthemen im Intranet siehst Du?

Sebastian: Intranet als Begriff wird sich nach und nach auflösen. Mit der Zunahme agilerer Unternehmenskulturen geht es deutlich mehr um interaktive Kommunikation, auch das kla­ssische Top-­Down ist passé. Mehr und mehr Con­tent wird von den Mit­arbeit­ern er­zeugt, der dann eher redigiert neu ver­teilt wird oder aber vom Algo­rithmus bewertet wird. Das wird immer mehr ein Stream oder eine per­sonal­isierte Zeit­ung. Die sozialen Features müssen aus­gefeilter werden, dennoch werden die Firmen­leitungen die letzte Kon­trolle be­halten wollen.

Sicher wird die Kommuni­kation auch noch vieles aus der B2C Welt aus­probieren, ob man es bspw. auch a la TikTok machen kann. Und da ist man tech­nisch schnell nahe dran allen Themen mit KI, was ganz prak­tisch bei uns gerade mit In­line Trans­lation ge­testet wird. Das ist schon fas­zinierend, wenn der Babel­fisch Realität geworden ist.

Vor Kurzem habt Ihr Venture Capital erhalten, wie wollt Ihr dieses investieren?

Sebastian: Wir haben das Ka­pi­tal be­kommen, weil wir wachs­en wollen und haben di­rekt in tolle Mit­arbeiter in­ves­tiert. Wir ver­stärken so­wohl Produkt­ent­wick­lung als auch Mar­keting, aber auch das Cus­tomer Success Team, das un­seren Kun­den per­sön­lich hilft, das Max­imum aus dem Pro­dukt zu holen. Mit der Inves­tition sind wir schon jetzt stark ge­wachsen, aber wir sind des­wegen kein fremd­ges­teuertes Invest­ment­vehikel geworden, sondern bleiben ein inhabergeführtes, mittel­ständisches Unter­nehmen. Und als solches stehen wir Gründer den Kunden gegenüber auch in Zukunft persönlich für das Produkt ein.

Abschließend: Was ist Eure Produkt­strategie für die Zukunft? Wie geht es weiter?

Sebastian: Das Tempo wird sich merklich erhöhen, denke ich. Wir haben Anfang 2020 sehr darauf geachtet, dass unsere App weniger Ressourcen braucht und auch auf schwächeren Smartphones ebenfalls gut läuft. Dann kam Corona und die Nachfrage hat uns intern ziemlich durch­einan­der ge­wir­belt. Wir haben nützliche Features im Roll-Out wie Be­nutzer­führung einfach ganz schnell im­plemen­tiert. Jetzt kommt wieder et­was mehr Ruhe rein und die ge­planten Features werden jetzt kon­tinuier­lich frei­ge­geben. Un­sere Kunden haben Wunsch­listen, da halten wir uns ein stück­weit dran, aber alles wei­tere ist noch ein Ge­heimnis.

Vielen Dank für die Einblicke und das spannende Gespräch 👌

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