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So macht’s: Bosch
18
Okt 2019

So macht’s: Bosch

Wir begrüßen Monika Struzek von Bosch. Sei doch bitte so nett und stell Dich kurz unseren Lesern vor.

Monika: Ich habe Anglistik, Politikwissenschaften und Medien- und Kommunikationsmanagement studiert und bin seit 2016 Chief Community Manager für den IT-Bereich bei Bosch. Das heißt, ich bin zuständig für alle Community Manager in meinem Geschäftsbereich: dafür, dass sie sich miteinander vernetzen, austauschen und weiterentwickeln. Außerdem berate ich Kollegen, die eine übergreifende Community aufbauen wollen, und bin selbst auch operativer Community Manager für unsere Community der internen Kommunikation. Community Management mache ich, seit wir bei Bosch unser Enterprise Social Network (ESN) Bosch Connect eingeführt haben, also seit 2013.

Einen Tag über Deine Schulter geblickt, was würden wir erleben?

Monika: Jeder Tag ist ein bisschen anders, aber alle Tage starten gleich: Sobald der Koffeinbedarf gedeckt ist, starte ich Bosch Connect, schaue zuerst, was mein Netzwerk geteilt hat, und dann, was in meinen wichtigsten Communitys passiert ist. Ich verschaffe mir einen Überblick, ob ich irgendwo dringend reagieren muss oder ob ich irgendwo schnell jemanden hinzuziehen muss.

Der Rest des Tages verläuft dann unterschiedlich: Ich überlege mir verschiedene Aktivitäten für meine Communitys, gehe auf Kollegen zu, die interessante Inhalte liefern könnten, vernetze Menschen miteinander, plane auch mal Events, um Online-Communitys auch ein Aufeinandertreffen im „real life“ zu ermöglichen, beantworte (und stelle) Fragen und schreibe auch mal selber Blogposts oder erstelle andere Inhalte.

Welche Softwarelösung setzt Ihr für die Kommunikation und Zusammenarbeit im Unternehmen ein?

Monika: Unser Enterprise Social Network (ESN) Bosch Connect basiert auf IBM Connections. Zusätzlich haben wir ein “klassisches Intranet” und noch einige weitere Tools.

Könntest Du unseren Lesern in wenigen Sätzen erläutern, was eine (Intranet-)Community ist und wie diese idealerweise aussieht?

Monika: Eine Community ist für uns eine Gruppe von Menschen, die ein gemeinsames Interesse teilen. Das kann die Zugehörigkeit zur selben Abteilung sein, das Interesse an Stand-up Paddling oder die Arbeit im IoT-Umfeld.

Gleichzeitig steht der Begriff „Community“ bei uns toolbedingt auch für einen Arbeitsraum innerhalb unseres ESN, der mit unterschiedlichen Widgets, wie einem Blog, einem Wiki, einem Forum, u.ä., ausgestattet werden kann und in dem Menschen miteinander arbeiten können – transparent, asynchron, von jedem Ort der Welt aus. Für eine solche Community ist es wichtig, dass klar ist, wofür sie da ist, wer sich hier beteiligen darf, was von den Mitgliedern erwartet wird und was sie im Gegenzug erwarten dürfen. Mit anderen Worten: Eine Community sollte unbedingt ein Konzept haben.

Wie sieht die Konzeption einer Community aus?

Monika: Zu Beginn stehen viele, viele Fragen: Was will ich mit meiner Community eigentlich erreichen? Also, wie sieht der Ausgangszustand aus und was will ich verändern? Wer ist eigentlich meine Zielgruppe, wer sind meine Stakeholder? Und warum sollte sich meine Zielgruppe für diese Community interessieren, geschweige denn, sich aktiv beteiligen? Was erwartet meine Zielgruppe von mir? Wie kann ich messen, ob ich mit meiner Community erfolgreich bin?

Diese Fragen kann ich natürlich nicht alleine beantworten, sondern versuche, im ganzen Entstehungsprozess so viele unterschiedliche Stimmen wie möglich einzuholen. Darauf basierend entwickle ich ein technisches, ein inhaltliches und ein soziales Konzept für die Community – also welche Tools (Wiki, Blog, Forum, etc.) nutze ich? Welche Inhalte sollen sich in der Community finden? Und wie aktiviere und motiviere ich die Community-Mitglieder? Erst dann geht es ans eigentliche Aufbauen der Community in Bosch Connect – die Struktur, das Design, das Befüllen mit ersten Inhalten. Ein Redaktionsplan hilft in der ersten Zeit, relevante Inhalte zu planen und Interessierten zu zeigen, dass es sich lohnt, Mitglied dieser Community zu werden.

Und schließlich muss ich mir noch überlegen, wie ich denn die potenziellen Community-Mitglieder darauf aufmerksam mache, dass die Community jetzt existiert: Mache ich eine feierliche Eröffnung im Rahmen eines Events, das sowieso schon stattfindet? Nutze ich verwandte Communitys, um darauf aufmerksam zu machen? Wenn es eine lokale Community ist, nutze ich vielleicht Poster oder andere Werbeflächen? Oder habe ich einen „prominenten“ Community Sponsor, den ich dafür einspannen kann?

Wie motiviert Ihr Eure Mitarbeiter sich aktiv in der Community zu beteiligen?

Monika: Relevanz, Persönlichkeit, Vorbilder und Spaß.

Die Inhalte einer Community müssen relevant sein für die Mitglieder, damit sie überhaupt Teil der Community werden bzw. wiederkommen. Ob etwas für meine Mitglieder relevant ist oder nicht, bekomme ich nur heraus, wenn ich sie frage – regelmäßige Mitglieder-Befragungen sind also ein Muss. Außerdem muss die virtuelle Community irgendwie einen Einblick bekommen, wer denn eigentlich alles „dazugehört“ – deshalb stellen wir immer wieder auf unterschiedlichen Wegen Mitglieder vor oder motivieren sie dazu, das selbst zu tun, z. B. über eine „Neu bei…“-Ecke. Damit Mitarbeiter sich einbringen, brauchen sie auch Vorbilder – da hilft es natürlich, wenn der Chef aktiv ist, es können aber auch andere Kollegen sein, die als Vorbilder fungieren. Und man darf den Spaß zwischendurch nicht vergessen! Nicht alle Aktivitäten, die man für seine Community plant, müssen bierernst und 100% business-fokussiert sein. Es darf auch mal eine Foto-Challenge mit den besten Haustierbildern dabei sein, wenn es zum Konzept der Community passt.

Was würdest Du als größte Challenge für Dich als Community Managerin bezeichnen?

Monika: Ich denke, die größte Herausforderung ist, die skeptische Grundhaltung zu überwinden. Die Arbeit in einem ESN unterscheidet sich grundlegend von der Arbeit, wie wir sie davor kannten, weil auf einmal JEDER sehen kann, was ich tue – das kann erstmal ganz schön einschüchternd sein. Hier Hemmungen abzubauen und die Kollegen von den Vorteilen zu überzeugen, kann manchmal ein langwieriger Prozess sein – aber es ist dann umso schöner zu sehen, wenn man dadurch Mehrwert stiften konnte.

Habt Ihr eine Netiquette zusammengestellt? Wenn ja, wie wird diese angenommen?

Monika: Wir haben für unsere Plattform Bosch Connect eine Netiquette, die jeder Mitarbeiter bestätigen muss, bevor er unser ESN zum ersten Mal betritt. Sie enthält die üblichen Hinweise auf Umgangsformen und wird gut angenommen.

Habt Ihr Negativerfahrungen gemacht? Habt Ihr schon einmal Beiträge entfernen müssen?

Monika: Natürlich vergreift sich ab und zu jemand mal im Ton. Das kommt aber wirklich selten vor. Für diesen Fall haben unsere User bei jedem Beitrag und Kommentar die Möglichkeit, diesen als unangemessen zu melden. Der verantwortliche Community Manager bekommt dann eine Benachrichtigung und entscheidet, ob er den Kommentar/Beitrag löscht oder wie er sonst damit umgeht. Erfahrungsgemäß gehen die Kollegen in unseren Communitys aber meistens sehr zivilisiert miteinander um.

Bosch hat weltweit Mitarbeiter, würdest Du von einer internationalen Community sprechen oder müsst Ihr länderspezifisch vorgehen?

Monika: Es gibt beides und es kommt auf den Use Case an. Wir haben sehr gut laufende, themenspezifische internationale Communitys, die dann auch komplett in Englisch kommunizieren. Wir haben aber auch lokale Standort-Communitys, die dann in der jeweiligen Landessprache funktionieren.

Für uns ist aber der internationale Ansatz essentiell – denn nur dadurch können wir unsere rund 410.000 Mitarbeiter weltweit miteinander vernetzen.

Abschließend: Was ist Eure Vision für die Zukunft? Wie geht es mit Eurer Community weiter?

Monika: Da für uns das Thema vernetzte Zusammenarbeit ein entscheidender Erfolgsfaktor ist, glaube ich, dass wir in Zukunft verstärkt in Communitys arbeiten werden. Interessant wird das Zusammenspiel mit den anderen Digital Workplace-Tools, die teilweise ähnliche Anwendungsfälle bzw. Überschneidungen haben – unseren Mitarbeitern hier eine gute Orientierung zu bieten und ihnen bei der Entscheidung zu helfen, wie sie am besten zusammenarbeiten, wird entscheidend sein.

 

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